Kreuzbandriss: Bei Hamstring-Reparatur wohl erhöhtes Risiko für Revision
Das Wichtigste in Kürze
Frage: Wie oft, wann und warum sind Revisionseingriffe nach primärer Rekonstruktion eines rupturierten vorderen Kreuzbandes erforderlich?
Antwort: Die Revisionsrate beträgt in den ersten 15 Jahren nach primärer Kreuzbandrekonstruktion 7,1 Prozent, wobei zwischen primärem und Folgeeingriff im Mittel gut 34 Monate liegen. Hauptursache sind erneute Verletzungen.
Einschränkung: Angaben zur Operationstechnik und zu Merkmalen der Patienten waren unvollständig.
Bergen. Søren Vindfeld von der Abteilung für orthopädische Chirurgie am Diakonalen Haraldsplass-Krankenhaus in Bergen hat sich die im norwegischen Knieband-Register gespeicherten Daten von rund 30.000 Patienten angesehen, die sich zwischen 2004 und 2023 einer primären Rekonstruktion gerissener vorderer Kreuzbänder unterzogen hatten und dabei keine weiteren Bandverletzungen aufwiesen (Am J Sports Med 2025; online 7. Februar).
Bei 1.599 von ihnen war im Verlauf der folgenden bis zu 15 Jahre eine Revisionsoperation nötig. Die Revisionsraten betrugen:
- nach zwei Jahren 2,1 Prozent
- nach fünf Jahren 4,5 Prozent
- nach zehn Jahren 6,6 Prozent
- nach 15 Jahren 7,1 Prozent
Oftmals beim Sport gerissen
Primär gerissen war das Kreuzband bei mehr als der Hälfte der Patienten während intensiver sportlicher Aktivitäten, wie beispielsweise Fußball oder Handball.
Patienten mit und ohne Revisionseingriff unterschieden sich im Alter. So waren Patienten ohne Revisionsoperation beim primären Eingriff im Mittel rund 27, Patienten mit Revision 20 Jahre alt.
Betroffene Frauen waren im Schnitt vier Jahre jünger als Männer. Das mittlere Alter bei der erneuten Operation lag bei knapp 25 Jahren, auch hier waren die Frauen im Durchschnitt vier Jahre jünger. Von der primären bis zur Revisionsoperation vergingen im Mittel etwa 34 Monate.
Höheres Revisionsrisiko bei Hamstring-Technik
Ein Risikofaktor für eine frühe Revisionsoperation, das heißt binnen zweier Jahre, war ein jüngeres Alter: Für bis zu 20-Jährige war das Risiko 4,5- und für 20- bis 30-Jährige 2,1-mal so hoch wie für über 30-Jährige.
Ein weiteres Revisionsrisiko bestand in einer Rekonstruktion per Hamstring-Technik, verglichen mit Patellarsehnen-Technik stieg es auf das 2,3-Fache.
Die Risikofaktoren für spätere Revisionen glichen jenen für Frührevisionen, hinzu kam das Vorliegen von Meniskusläsionen, mit denen sich das Risiko für eine Spätrevision um 30 Prozent erhöhte.
Lückenhafte Daten
Ein erneutes Trauma war die häufigste Ursache für die Revisionsoperation am Kreuzband (38,1 Prozent), gefolgt von einem Versagen des Transplantats.
In 15,2 Prozent der Fälle war in den Daten keine Ursache verzeichnet. Für 5,2 Prozent der Revisionen waren als Anlass fehlerhaft angelegte Bohrkanäle dokumentiert.
Allerdings waren die Angaben zur Operationstechnik und speziell zur Anlage des femoralen Bohrtunnels nicht vollständig. Auch Daten der Patienten, etwa zum Ausgangs-BMI, waren lückenhaft.
Weitere Verletzung ist der häufigste Anlass
„In der vorliegenden Studie mit einer der bis dato größten Kohorten zur Untersuchung des Versagens von primären Kreuzbandrekonstruktionen wurde die 15-Jahres-Revisionsrate auf 7,1 Prozent geschätzt“, fassen Vindfeld et al. ihre Ergebnisse zusammen.
Für Patienten mit Hamstring-Transplantaten sei das Risiko für frühe Revisionseingriffe in den ersten zwei Jahren nach der primären Operation besonders hoch gewesen. Der häufigste Anlass für die erneute Kreuzbandoperation habe in einer weiteren Verletzung bestanden.
Quelle: Ärzte Zeitung - Springer Medizin Verlag GmbH
